Die Cuvée - Viele Weine ergeben ein perfektes Ganzes

Donnerstag, 14. Februar 2019

Die Cuvée - Viele Weine ergeben ein perfektes Ganzes

Was ist eigentlich eine Cuvée

Cuvée - Was ist das eigentlich?

Das französische Wort Cuvée bedeutet wörtlich übersetzt "Tank" oder "Bottich", auch wenn damit meist der Inhalt des Behälters, nämlich der Wein gemeint ist. Dabei gibt es länderspezifische Unterschiede: In Deutschland, Österreich und der Schweiz versteht man den Begriff als Synonym für einen "Verschnitt". In Frankreich hingegen bezeichnet man jeden separat abgefüllten Wein eines Weinguts sowie auch einen Verschnitt aus mehreren Rebsorten als Cuvée. Bei der Champagnerherstellung wiederum wird jener Most als Cuvée bezeichnet, der als erstes aus der Presse abläuft und die höchste Qualität hat.

Cuvée ist nicht gleich Cuvée

In Europa erlaubt der Gesetzgeber eine Beimischung von 15 Prozent eines anderen Weines ohne Deklarationspflicht. Wenn also "Sauvignon Blanc" auf einer österreichischen oder französischen Weinflasche steht, darf sie maximal bis zu 15% einer anderen Rebsorte enthalten. Davon ausgenommen sind sogenannte geschützte Herkunftsweine wie der italienische Brunello aus 100% Sangiovese-Trauben oder der französische Chablis aus Chardonnay. In Deutschland gibt es den Sonderfall, dass es bei Cuvées mit zwei Rebsorten erlaubt ist, beide auf dem Etikett anzugeben. Besonders beliebt ist die Kombination aus Chardonnay und Weißburgunder. Enthält der Wein drei oder mehr Rebsorten, ist es verboten, diese einzeln anzuführen. Da in Frankreich jede Abfüllung eines Weinguts als Cuvée bezeichnet werden darf, gibt der Begriff auf dem Etikett alleine keinen Aufschluss darüber, ob der Flascheninhalt sortenrein ist oder aus mehreren Weinsorten besteht. Manchmal findet sich eine genauere Beschreibung auf dem Rückenetikett, gesetzlich vorgeschrieben ist sie aber nicht. Die meisten Chiantis aus der Toskana sind Cuvées, denn der Anteil an Sangiovese-Trauben muss nur 70% betragen, es dürfen sogar bis zu 10% weiße Rebsorten enthalten sein.

Bedeutung der Cuvée

Die Kombination verschiedener Rebsorten in einem Wein macht den Winzer unabhängiger von Witterungsverhältnissen, denn Rebsorten haben unterschiedliche Ansprüche an Sonne und Boden. Außerdem reifen sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten und sind anfällig oder resistent gegenüber bestimmten Krankheiten. Geht also in einem Jahr eine Rebsorte aufgrund des Wetters oder wegen eines Schädlingsbefalls zugrunde, reift eine andere umso besser. Nicht zuletzt deshalb kommen die bekanntesten französischen Weincuvées aus einer wettergebeutelten Region, dem Bordeaux. Wegen der feucht-kalten Witterung und den Nachtfrösten im Frühling hat hier der Anbau unterschiedlicher Rebsorten eine lange Tradition. Lokale Besonderheiten spielen eine wesentliche Rolle bei der Auswahl der Trauben. Auf den wärmespeichernden Kieselböden links der Garonne gedeiht der spät reifende Cabernet Sauvignon besonders gut. Auf den kühleren Lehmböden rechts der Dordogne hingegen wird v.a. der früher reifende Merlot angebaut.

Sortenreine Weine

Sortenreiner Anbau und Abfüllung von Wein ist eine relativ moderne Erfindung, denn auf den Weinbergen des Mittelalters wuchsen viele verschiede Rebsorten direkt nebeneinander. In Österreich landen heute die meisten Weine rebsortenrein in der Flasche (z.B. Grüner Veltliner, Riesling, Zweigelt, Blaufränkisch). Natürlich gibt es aber auch viele Cuvées, in denen die Winzer gekonnt unterschiedliche, aber harmonierende Rebsorten miteinander verschneiden. Auch die Ländern der Neuen Welt (USA, Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien) bevorzugen meist Weine aus nur einer Rebsorte. Es spielt also die Nennung der Rebsorten auf dem Etikett eine wesentlich größere Rolle als in Europa.

Was macht eine gute Cuvée aus?

Eine gute Cuvée ist nicht nur die Summe ihrer Teile, sondern eine harmonisch ausgewogene Komposition. Die Zusammenstellung erfolgt erst, nachdem jede einzelne Weinsorte ausgereift ist. Der Kellermeister entnimmt Proben und kombiniert diese solange, bis er die ideale Balance zwischen Frucht und Säure, Aroma und Mundgefühl sowie Alkohol- und Tanningehalt gefunden hat. In Frankreich wird dieser Vorgang Assemblage genannt. Viele Weingüter laden zu dieser Prozedur Kollegen und Berater ein. Zu den bekanntesten Cuvées gehört der Châteauneuf-du-Pape, der bis zu 13 Rebsorten enthalten darf. Wenn Du also das nächste mal einen wunderbaren Rotwein aus den bekanntesten Weinbaugebieten Europas genießt, dann bedenke, dass ein Wein aus dem Bordeaux, ein italienischer Chianti oder ein spanischer Rioja fast immer Cuvées aus verschieden Rebsorten sind.