Wein trinken: Tipps für Anfänger und Experten
Mit einfachen Tipps Wein bewusster genießen – vom richtigen Glas über die ideale Trinktemperatur bis hin zu Foodpairing und Weinbewertungen.
Wenn Du Dich fragst, wie man Wein richtig trinkt, bist Du nicht allein. Muss Rotwein wirklich Zimmertemperatur haben? Welches Glas ist das richtige? Sollte man Wein dekantieren? Und worauf kommt es beim Verkosten überhaupt an?
Die gute Nachricht: Wein muss nicht kompliziert sein. Mit ein paar einfachen Tipps genießt Du Wein bewusster – ganz egal, ob Du gerade erst anfängst oder schon seit vielen Jahren Wein trinkst.
Es gibt keinen "richtigen" Geschmack
Der wohl wichtigste Tipp gleich zu Beginn: Trink den Wein, der Dir schmeckt.
Natürlich gibt es Empfehlungen, welche Rebsorten zu welchen Speisen passen oder welche Temperaturen ideal sind. Am Ende entscheidet aber Dein persönlicher Geschmack. Wenn Dir ein fruchtiger Rosé im Winter genauso gut gefällt wie im Sommer, dann ist das genau richtig.
Wein soll schließlich Freude machen und keine Prüfung sein. Gerade an warmen Tagen greifen viele Weinfreunde zu frischen, unkomplizierten Weißweinen oder Rosés. Unsere Sommerweine bieten dafür jede Menge Inspiration.
Welches Weinglas ist das richtige?
Braucht man wirklich für jede Rebsorte ein eigenes Glas? Ganz ehrlich: Nein.
Ein hochwertiges Universal-Weinglas ist für die meisten Weine bereits eine hervorragende Wahl. Es gibt dem Wein genügend Platz, damit sich die Aromen entfalten können und macht oft einen größeren Unterschied, als viele vermuten.
Wer häufiger Wein genießt, wird aber schnell merken: Ein großes Burgunderglas lässt elegante Pinot Noirs oder kräftige Chardonnays noch offener wirken, während schlankere Gläser frische Weißweine besonders schön zur Geltung bringen.
Maschinengefertigt oder mundgeblasen – lohnt sich der Unterschied?
Spätestens wenn Du Dich etwas intensiver mit Wein beschäftigst, stolperst Du über diese Frage. Die gute Nachricht: Auch maschinengefertigte Qualitätsgläser bieten heute bereits ein hervorragendes Trinkerlebnis und sind für den Alltag oft die perfekte Wahl.
Mundgeblasene Weingläser gehen aber noch einen Schritt weiter. Durch das geringere Gewicht, den besonders feinen Glasrand und die elegante Form wirken sie fast schwerelos in der Hand. Der Wein kommt direkter auf die Zunge, das Trinkgefühl wird feiner und die Aromen können sich oft noch etwas besser entfalten.
Ist der Unterschied riesig? Nicht unbedingt. Ist er spürbar? Definitiv – vor allem, wenn Du denselben Wein einmal aus einem einfachen Glas und einmal aus einem hochwertigen mundgeblasenen Glas probierst.
Unser Tipp: Investiere lieber in wenige, dafür hochwertige Weingläser als in einen großen Gläserschrank mit vielen unterschiedlichen Modellen. Sie begleiten Dich viele Jahre und machen aus jedem Glas Wein ein noch schöneres Erlebnis.
Hier findest Du unsere Auswahl an hochwertigen Weingläsern und weiterem Weinzubehör.
Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, warum Form und Glasgröße den Weingenuss beeinflussen und welches Glas zu welchem Wein passt, empfehlen wir Dir unseren Artikel Das richtige Weinglas – Welches Glas für welchen Wein?.
Welche Temperatur ist ideal für Wein?
Viele Weine werden zu warm oder zu kalt serviert.
- Leichte Weißweine: 6–8 °C
- Kräftige Weißweine: 10–12 °C
- Rosé: 8–10 °C
- Leichte Rotweine: 12–16 °C
- Kräftige Rotweine: 14–16 °C
Viele Rotweine werden zu warm serviert. Schenke sie deshalb lieber etwas kühler ein. Im Glas erwärmen sie sich innerhalb weniger Minuten ganz von selbst und zeigen ihre Aromen oft deutlich harmonischer als bei 18 °C oder mehr.
Muss man am Wein riechen?
Bevor Du den ersten Schluck nimmst, riech einmal bewusst am Wein.
Du musst dabei keine exotischen Beschreibungen wie "frisch geschnittenes Zedernholz" oder "feuchte Kieselsteine nach Sommerregen" finden. Oft reichen ganz einfache Eindrücke wie Apfel, Kirsche, Zitrone oder Kräuter völlig aus.
Je öfter Du bewusst riechst, desto leichter erkennst Du später Unterschiede zwischen verschiedenen Weinen.
Du bist über einen Begriff gestolpert oder möchtest mehr über Rebsorten, Weinregionen oder Fachbegriffe erfahren? In unserem 9Weine Weinlexikon findest Du verständliche Erklärungen – einfach und ohne kompliziertes Fachchinesisch.
Welcher Wein passt zu welchem Essen?
Ja, manche Kombinationen funktionieren besonders gut. Aber auch hier gilt: Erlaubt ist, was schmeckt.
- Frischer Sauvignon Blanc zu Salaten oder Fisch
- Grüner Veltliner zu Wiener Schnitzel oder Gemüse
- Lugana zu Pasta, Antipasti oder Meeresfrüchten
- Pinot Noir zu Geflügel oder Pilzgerichten
- Kräftiger Blaufränkisch oder Cabernet Sauvignon zu Steak und Grillgerichten
Wenn Du tiefer in das Thema Foodpairing eintauchen möchtest, findest Du in unserem Blog viele praktische Tipps. Besonders beliebt sind unsere Beiträge Wein und Käse – Ein genussvolles Duett sowie Welcher Wein zur Pasta?.
Wie gelingt der Einstieg in die Welt des Weins?
Die Auswahl kann überwältigend sein. Deshalb lohnt es sich, Schritt für Schritt verschiedene Stilrichtungen kennenzulernen.
- Fruchtige Weißweine
- Frische Rosés
- Elegante Rotweine
- Kräftigere Rotweine
- Schaumweine
- Süßweine
Für den Einstieg eignen sich oft frische, unkomplizierte Weißweine besonders gut. Hier findest Du unsere Auswahl an Weißweinen.
Auch als erfahrener Weinfreund: Offen bleiben
Wer schon viele Jahre Wein trinkt, kennt oft seine Lieblingsregionen und bevorzugten Rebsorten. Genau dann lohnt es sich, bewusst neue Wege einzuschlagen.
Hast Du schon einmal einen Vin Jaune aus dem Jura probiert? Oder einen Orange Wine, der durch eine längere Maischestandzeit seinen ganz eigenen Charakter entwickelt? Auch gereifte Sherrys oder hochwertige Portweine eröffnen eine faszinierende Genusswelt, die selbst viele erfahrene Weinfreunde noch gar nicht entdeckt haben.
Mindestens genauso spannend sind weniger bekannte Weinregionen oder Rebsorten. Oft warten dort echte Überraschungen, die mit den großen Namen locker mithalten können – und das häufig zu einem deutlich attraktiveren Preis.
Manchmal muss es aber gar kein exotischer Vin Jaune oder Orange Wine sein. Auch innerhalb einer bekannten Stilrichtung gibt es viel zu entdecken. Zwei Lugana vom selben Jahrgang können völlig unterschiedlich schmecken – etwa je nach Winzer, Ausbau oder Lage. Gerade Produzenten wie Feliciana oder Fraccaroli zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein Lugana interpretiert werden kann.
Ein weiterer Tipp: Gib einem Wein oder einer Stilrichtung ruhig mehr als eine Chance. Nur weil Dir ein Orange Wine, Riesling oder kräftiger Barolo vor einigen Jahren nicht zugesagt hat, heißt das noch lange nicht, dass das heute genauso ist. Unser Geschmack entwickelt sich ständig weiter. Was früher vielleicht zu säurebetont, zu kräftig oder zu ungewöhnlich wirkte, kann Jahre später genau Deinen Geschmack treffen.
Gerade diese Offenheit macht Wein so spannend. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken – und manchmal wird genau der Wein zum neuen Favoriten, den man früher einfach stehen gelassen hätte.
Sollte man sich an Weinbewertungen orientieren?
Weinbewertungen können eine gute Orientierung sein – mehr aber auch nicht.
In den vergangenen Jahren fällt auf, dass immer häufiger sehr hohe Bewertungen vergeben werden. 95, 96 oder sogar 98 Punkte sind längst keine Seltenheit mehr. Das macht es für Weinliebhaber allerdings nicht unbedingt einfacher. Wenn ein Großteil der Spitzenweine zwischen 94 und 98 Punkten liegt, wird die tatsächliche Aussagekraft der Bewertungen immer geringer.
Mindestens genauso wichtig wie die Punkte sind deshalb die Weinbeschreibungen. Sie verraten Dir, wie ein Wein schmeckt: Ist er fruchtig oder würzig? Elegant oder kraftvoll? Frisch oder cremig? Genau diese Informationen helfen viel besser dabei einzuschätzen, ob ein Wein zu Deinem persönlichen Geschmack passt.
Jedes Jahr verkosten wir mehrere tausend Weine – direkt bei Winzern, auf Weinmessen und natürlich auch bei uns im Verkostungsraum. Eines hat sich dabei immer wieder bestätigt: Der beste Wein ist nicht automatisch der teuerste oder höchstbewertete, sondern jener, den Du gerne ein zweites Glas einschenkst. Genau deshalb verlassen wir uns bei unseren Empfehlungen nicht nur auf Bewertungen, sondern vor allem auf das, was im Glas passiert.
Unser Tipp: Nutze Bewertungen als Orientierung, lies Dir aber immer auch die Weinbeschreibung durch. Sie verrät oft deutlich mehr über den Charakter eines Weins als eine einzelne Zahl. Und manchmal begeistert genau jener Wein mit 90 Punkten mehr als der hochbewertete 98-Punkte-Kandidat.
Am Ende gilt auch hier: Dein eigener Geschmack ist der beste Kritiker.
Muss Wein atmen?
Viele Weine gewinnen mit etwas Luft deutlich an Ausdruck.
Öffne eine Flasche ruhig 20 bis 30 Minuten vor dem Essen oder schenke den Wein ins Glas und beobachte, wie sich Duft und Geschmack entwickeln. Gerade kräftigere Weiß- und Rotweine zeigen oft mit jeder Minute neue Facetten.
Das Wichtigste zum Schluss
Wein ist kein Wettbewerb und schon gar keine Wissenschaft. Es geht nicht darum, möglichst viele Fachbegriffe zu kennen oder jede Rebsorte blind zu erkennen.
Aber genau das Schöne am Wein ist: Mit jedem Glas gibt es etwas Neues zu entdecken. Und wenn man einmal sprichwörtlich Blut geleckt hat, macht es richtig Spaß, sich weiterzubilden. Plötzlich interessiert man sich für neue Rebsorten, spannende Weinregionen oder unterschiedliche Ausbaumethoden und entdeckt immer wieder neue Lieblingsweine.
Es ist kein Wettlauf, möglichst schnell zum Weinkenner zu werden, sondern ein Prozess. Der eigene Geschmack entwickelt sich mit der Zeit weiter, man sammelt Erfahrungen und lernt mit jeder Flasche etwas Neues dazu.
Genau das macht Wein für uns so faszinierend: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, ganz egal, ob Du Deinen ersten Lugana probierst oder nach vielen Jahren einen gereiften Bordeaux öffnest. Genieße den Weg – denn oft sind es gerade die unerwarteten Entdeckungen, die lange in Erinnerung bleiben.
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