Wein verkosten lernen – Anleitung für Einsteiger einfach erklärt
Sehen, riechen, schmecken: So erkennst du Aromen, verstehst Wein besser und holst mehr aus jedem Glas heraus.
Es gibt diesen Moment, den kennt fast jeder.
Du probierst einen Wein und denkst dir: „Ja, passt schon.“
Und dann sitzt jemand neben dir und sagt: „Wow, diese Frische, die Würze, der Abgang!“
Und du fragst dich: Wie kommt man da hin?
Die gute Nachricht: Wein richtig zu verkosten ist keine Wissenschaft. Es ist einfach eine Frage der Aufmerksamkeit.
Mit drei einfachen Schritten kannst du sofort mehr aus deinem Glas herausholen.
Schritt 1 – Sehen: Der erste Eindruck zählt
Bevor du überhaupt riechst oder probierst, lohnt sich ein genauer Blick ins Glas. Die Farbe verrät oft schon erstaunlich viel über Stil, Reife und Charakter eines Weines.
Am besten schaust du dir den Wein vor einem weißen Hintergrund an und nimmst dabei diese vier Kriterien genauer unter die Lupe:
Klarheit: klar, transparent, matt oder trüb
Farbtiefe: blass, mittel oder intensiv
Farbton bei Weißwein: grüngelb, zitronengelb, strohgelb, goldgelb, bernstein oder braun
Farbton bei Rotwein: purpur, rubinrot, granatrot, ziegelrot, gelbbraun oder braun
Farbton bei Rosé: blassrosa, pink, lachsfarben, orange oder zwiebelschalenfarben
Gerade über den Farbton lässt sich oft schon einiges ableiten. Ein sehr heller Weißwein wirkt meist frischer und jugendlicher, während goldene oder bernsteinfarbene Töne eher auf Reife oder einen kräftigeren Stil hindeuten. Bei Rotwein können purpurne Reflexe auf Jugend hinweisen, ziegelrote Töne eher auf Reife.
Auch die sogenannten Kirchenfenster – also die Schlieren am Glas – geben Hinweise. Läuft der Wein langsam am Glas herunter, ist er oft etwas kräftiger und alkoholreicher.
Dieser erste Eindruck dauert nur wenige Sekunden, schärft aber sofort den Blick für das, was später in der Nase und am Gaumen folgt.
Die richtige Temperatur – oft unterschätzt, aber entscheidend
Bevor wir weitergehen, ein Punkt, der unglaublich viel Einfluss auf den Geschmack hat: die Temperatur.
Viele Weißweine werden viel zu kalt serviert, oft direkt aus dem Kühlschrank. Das Ergebnis: Die Aromen bleiben versteckt.
Bei Rotwein passiert oft das Gegenteil. „Zimmertemperatur“ ist heute meist zu warm – und der Alkohol tritt zu stark in den Vordergrund.
Als einfache Orientierung hilft dir diese Übersicht:
| Weintyp | Optimale Trinktemperatur | So wirkt der Wein |
|---|---|---|
| Schaumwein (Prosecco, Champagner) | 6–8 °C | Frisch, spritzig, sehr animierend |
| Leichte Weißweine | 8–10 °C | Frisch, lebendig, klar |
| Kräftige Weißweine | 10–12 °C | Mehr Struktur, mehr Ausdruck |
| Rosé | 8–10 °C | Fruchtig, frisch, unkompliziert |
| Leichte Rotweine | 12–14 °C | Fruchtbetont, elegant |
| Kräftige Rotweine | 14–18 °C | Vollmundig, weich, komplex |
Du wirst merken: Allein durch die richtige Temperatur schmeckt derselbe Wein oft komplett anders.
Schritt 2 – Riechen: Hier entscheidet sich alles
Jetzt kommt der wichtigste Teil.
Schwenk das Glas leicht und riech bewusst hinein. Viele Aromen nimmst du nämlich erst wahr, wenn der Wein Kontakt mit Sauerstoff hat.
Typische Eindrücke können sein:
Zitrusfrüchte oder Apfel
reife gelbe Früchte
Kräuter oder Gewürze
leichte Röstaromen
Wichtig ist: Du musst nichts „richtig erkennen“.
Wenn du an Birne denkst – perfekt. Wenn du an etwas ganz anderes denkst – genauso gut.
Genau hier beginnt dein persönlicher Zugang zum Wein.
Wenn du dir beim Erkennen von Aromen noch unsicher bist, hilft ein Aromarad enorm. Es zeigt dir, in welche Richtung ein Wein gehen kann, und macht es deutlich leichter, Gerüche einzuordnen.

Gerade am Anfang ist das eine richtig gute Hilfe, weil du deine Wahrnehmung besser benennen kannst. Mit der Zeit brauchst du das Aromarad immer weniger – aber für den Einstieg ist es Gold wert.
Schritt 3 – Schmecken: Der Wein im Mund
Jetzt kommt der erste Schluck.
Und hier lohnt es sich, kurz innezuhalten.
Achte auf ein paar Dinge:
Wie frisch wirkt der Wein?
Ist er leicht oder kräftig?
Wie fühlt er sich im Mund an?
Ein guter Wein verändert sich oft während des Trinkens. Und genau das macht ihn spannend.
Der Abgang – oft unterschätzt
Ein Punkt, den viele übersehen.
Der Abgang beschreibt, wie lange der Geschmack im Mund bleibt.
Ist er sofort weg oder bleibt er noch lange präsent?
Je länger und klarer der Abgang, desto hochwertiger ist der Wein meist.
So schulst du deine Sinne
Der wichtigste Punkt: Übung.
Ein paar einfache Dinge helfen enorm:
Trink bewusst, nicht nebenbei
Vergleiche zwei Weine direkt miteinander
Riech auch im Alltag bewusst an Dingen
Nimm dir einfach ein paar Sekunden mehr Zeit
Du wirst merken: Mit der Zeit erkennst du immer mehr.
Häufige Fehler beim Verkosten
Gerade am Anfang passieren oft die gleichen Dinge:
Zu schnell trinken
Zu wenig riechen
Zu sehr „richtig machen wollen“
Dabei geht es gar nicht um Perfektion, sondern darum, bewusster zu genießen.
Fazit: Wein verstehen macht einfach mehr Spaß
Wein verkosten bedeutet nicht, kompliziert zu werden.
Im Gegenteil: Es geht darum, mehr aus jedem Glas herauszuholen.
Und das Beste daran: Du brauchst dafür nichts außer ein bisschen Aufmerksamkeit.
Wenn du das direkt ausprobieren möchtest, kannst du hier unsere Weißweine entdecken oder hier durch unsere Rotweine stöbern.
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