Amarone della Valpolicella – Der italienische Individualist

2 Gläser Amarone stoßen an

Der Amarone della Valpolicella ist ein sehr besonderer, kräftiger Rotwein aus Italien, der aufgrund seines speziellen Herstellungs- und Gärverfahren eine Art Alleinstellungsmerkmal besitzt. Mit den traditionellen leichten Valpolicella-Sorten, die längst nicht nur in Italien zum Essen getrunken werden, hat er nichts zu tun. Er hat einen deutlich höheren Alkoholgehalt und zeigt eine große Fülle an Aromen. Die Beliebtheit dieses kräftigen italienischen Weins steigt stetig und inzwischen gehört der Amarone mitunter zu den „großen“ Rotweinen dieses Landes. Seit 2010 trägt er den Status DOCG, die höchste Qualitätsstufe für italienische Weine.

Woher stammt Amarone?

Wer sich vom norditalienischen Verona in nordwestlicher Richtung auf den Weg zum Gardasee macht, erreicht nach etwa einer halben Stunde die Weinanbaugebiete des Valpolicella-Gebietes. Das günstige Klima der Region Venetien bringt in erster Linie drei typische Rebsorten hervor, aus denen der Amarone großteils entsteht. Der Anbau der Trauben ist auf 19 namentlich festgelegte Gemeinden der Region begrenzt.

Welche Rebsorten sind für die Herstellung von Amarone erlaubt?

Die zugelassenen Rebsorten sowie ihr Anteil am Amarone sind wiefolgt festgeschrieben:

  • Der Corvina Veronese stellt mit 45 bis 95 Prozent den Hauptanteil dar.
  • Aus seinen Trauben entsteht ein tiefroter, leicht säuerlicher Rotwein mit geringem Tanningehalt, der bis zu maximal 50 Prozent durch die Rebsorte Corvinone ersetzt werden darf.
  • Der Rondinella ergänzt den Amarone mit einem zugelassenen Anteil von 5 bis maximal 30 Prozent und weist trotz seines Kirscharomas wenig selbstständigen Charakter auf.
  • Weiters sind auch andere rote Rebsorten aus der Provinz Verona mit einem Anteil bis maximal 15 Prozent zugelassen.

Welche Eigenschaften hat Amarone?

Der Amarone ist ein kräftiger, langlebiger Wein mit einem vergleichsweise hohen Alkoholgehalt und lässt teilweise eine dezente bittere Note erkennen. Dieser verdankt er seinen Namen, denn das italienische Wort „amaro“ bedeutet schlicht „bitter“. Er weist eine tiefrote Farbe auf, schmeckt am Gaumen sehr samtig, voll und warm und bietet eine einzigartige Geschmackskombination aus Pflaumen, Tabak, Nelken, getrockneten Früchten, weihnachtlichen Gewürzen und zartbitterer Schokolade.

Gerade in der kalten Jahreszeit ist er aufgrund seiner kräftigen, extraktreichen Dichte und einem Anflug filigraner Süße äußerst beliebt. Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 14 Volumenprozent, nicht selten auch mehr. Der Säuregehalt darf 5,0 Gramm pro Liter nicht unterschreiten und für den Trockenextrakt gilt ein Mindestwert von 28 Gramm pro Liter. Trägt der Amarone die Auszeichnung „Riserva“, sind sogar mindestens 32 Gramm pro Liter vorgeschrieben.

Die Herstellung bestimmt den typischen Akzent des Amarone

Traditionell werden ausschließlich gesunde Trauben geerntet, die – und das ist das Besondere – nach der Lese getrocknet werden. Kisten aus Holzlatten (manchmal auch aus Plastik) gewährleisten die Belüftung der Trauben. Gut gelüftete Räume sorgen für einen niedrigen Feuchtigkeitsgehalt. In den meisten Fällen werden die Dachböden der Bauernhäuser für den Trocknungsvorgang, das so genannte Rosinieren, verwendet.

Nach 60 bis 100 Tagen Trocknung verlieren die Weinbeeren ein Drittel bis eine Hälfte ihres Gewichts. Der Zuckergehalt ist besonders hoch, was wiederum für den hohen Alkoholgehalt nach dem Vergären sorgt. Dank seines kräftigen Geschmacks wird der Amarone trotz des Alkoholanteils nicht brandig. Damit grenzt er sich deutlich von anderen regionalen Weinen mit solch hohem Alkoholgehalt ab. Ein Amarone reift mindestens zwei Jahre, bevor er in den Verkauf gelangt. Für den Riserva sind sogar vier Jahre vorgesehen. Die Holzfässer fassen jeweils 1.500 bis 50.000 Liter.

Zu welchen Speisen passt Amarone?

Ein kräftiger, schwerer Amarone verlangt im Prinzip nach deftigen Gerichten. Der Klassiker aus der Valpolicella-Region ist „Stracotto d’Asino“(Schmorbraten vom Esel), aber auch das toskanische „Cinghiale in Dolceforte“ (Wildschweinragout) gehört in diese Kategorie. Amarone ist ein großartiger Speisenbegleiter, der auch besonders gut mit gehaltvollen Wild- oder Wildschmorgerichten wie Rehkeule, Hirschfilet oder Wildschweinrücken harmoniert. Auch zu Gerichten wie foie gras oder Kalbsleber passt er hervorragend.