Weingut Familie Weber

Mittelburgenland / Lutzmannsburg

Über das Weingut

Schmetterlinge im Bauch

Man hat als Nichtwinzer ja wirklich keine Vorstellungen davon, wie sich der Erfolg eines Weinguts erklärt. Offenbar spielen dabei nicht nur Weinqualität und Marketinggeschick eine Rolle, sondern auch Faktoren, die ungefähr so nahe liegen wie der berühmte Schmetterlingsflügelschlag am anderen Ende der Welt. Die Lutzmannsburger Chaostheorie zum Beispiel besagt, dass die örtlichen Weinbauern ganz erheblich auch von subtilsten Veränderungen am anderen Ende der Ortschaft betroffen sind. Günther Weber, Lutzmannsburger Rotweinwinzer in vierter Generation: „Seit in der Therme der große Ruheraum aufgelassen wurde, haben wir eindeutige Umsatzeinbußen. Jetzt sind nämlich die Großeltern, die früher den Tag gemütlich abseits des Kindertrubels verbringen konnten, am Abend viel zu erschöpft, um noch Wein zu kaufen. Davor waren sie ein wichtiger Faktor für unser Ab-Hof-Geschäft. Das fällt jetzt leider weg.“

Nun gibt es den Weinbau zu Lutzmannsburg aber schon etwas länger als die örtliche Wellnesseinrichtung, und Günther Weber wird auch diesen Schlag ins warme Wasser überstehen, er kommt nicht umsonst aus einer Familie von Weinbaupionieren. Der Urgroßvater Johann, Schüler des legendären (und aufgrund seiner Nazi-Affinität auch durchaus umstrittenen) Klosterneuburger Professors Zweigelt, war der erste Winzer in Lutzmannsburg, der seine Weine auch in Flaschen abfüllte anstatt nur in die damals üblichen Großgebinde. Großvater Rudolf, einer der Rotweinpioniere der (lange auf Weißwein abonnierten) Gegend, prägte den Betrieb dann so entscheidend, dass seine Initialen bis heute die Etiketten der Weberweine zieren. In dritter und vierter Generation folgten Helmut Weber und schließlich sein Sohn Günther, seinerseits gelernter Maschinenschlosser und eher spätberufener Weinbauer. Letzteres tut dem Erfolg keinen Abbruch; die Weine, die Günther W. und seine Frau Tanja keltern, erreichen in Fachverkostungen regelmäßig Höchstnoten, zu Buche stehen diverse Salon-, Gault-Millau- und Falstaffsiege. Diese Erfolge haben wiederum ganz naheliegende Gründe: Sämtliche Weingärten des Familienbetriebs liegen auf der Lutzmannsburger Hochebene, die im Volksmund auch Weinberg genannt wird. Gästen aus Westösterreich entlockt dies aufgrund einer durchschnittlichen Erhebung von rund 40 Metern regelmäßig ein Schmunzeln, was den örtlichen Winzern aber reichlich egal ist, weil auf diesem Plateau nun einmal ideale Bedingungen vorherrschen: schwere Lehmböden, ganztägige Sonneneinstrahlung und großteils alte Reben, die auch mit den selbst in Lutzmannsburg verschärften klimatischen Bedingungen ganz gut fertigwerden. Das Problem mit dem Klimawandel sieht Weber deshalb auch ganz wo anders. Nämlich beim Konsumenten: „Klar merken wir das. Denn wer will bei 40 Grad noch Rotwein trinken?“ Und was sollen die gestressten Großeltern im Saunabereich erst sagen?

 

Das Weinbaugebiet:

Das DAC-Gebiet Mittelburgenland wird von der Buckligen Welt im Westen, dem Ödenburger Gebirge im Norden und dem Günser Gebirge im Süden begrenzt und konzentriert sich – mit einer Gesamtrebfläche von 2117 Hektar – auf die Gemeinden Neckenmarkt, Deutschkreutz und Horitschon im Nordosten und Lutzmannsburg im Südosten. Hier wie dort dominiert die Sorte Blaufränkisch, weshalb das Gebiet auch unter „Blaufränkischland“ firmiert.

Folgende Weine könnten Sie interessieren: