Weingut Christ

Wien / Jedlersdorf

Über das Weingut

Christ und Welt:

Am Anfang war das Wort und dann folgten noch mehr Wörter, und am Ende ward ein Gemischter Satz. Und der Christ hat einen solchen gemacht. Er war das gewissermaßen gewöhnt: Als Kind einer Heurigen-Dynastie wuchst Rainer Christ in Jedlersdorf zwischen Schank und Presshaus auf, wollte es dann aber doch etwas genauer wissen, hat die Weinbauschule in Klosterneuburg besucht, anschließend diverse Auslandspraktika absolviert und sich zu einem wandelnden Önologielexikon entwickelt. Christ spricht gern und ausführlich von Biodiversität und Genpools; über Pilzmyzele und deren Effekte auf den Stoffwechsel der Reben; über biochemische Reaktionen im Holzfass und die feinstoffliche Analyse von Fassdauben (Christ lässt seine Fässer nach eigenen Vorgaben in unkonventioneller Gebindegröße und Holzstruktur fertigen); über Klimastatistiken und die unbeachteten Tücken von vermeintlichen Spitzenjahrgängen wie 2015. Aber er sagt auch: „Technologie macht den Wein nicht besser, sondern höchstens die Herstellung einfacher. Am Anfang will man natürlich alles, was man gelernt hat, irgendwo anbringen. Und dann lernt man, wie wichtig Reduktion ist. Die Natur ist spannend genug. Man muss sie nur begleiten.“

Rainer Christ begleitet die Natur in seinen Weingärten am Bisamberg hauptamtlich seit 2005 und war 2006 gleich auch noch Gründungsmitglied der WienWein-Gruppe, die den Weinen der Hauptstadt einen doch recht spektakulären Schub verpasst hat: eine Modernisierung in Wesen und Wirken von der Heurigenseligkeit in Richtung Weltstadtanspruch. Die Entwicklung sieht man dem Weingut Christ auch äußerlich an, die Gutsadresse verspricht diesbezüglich schon einiges: Amtsstraße 10-14, das heißt: drei Häuser, miteinander verbunden, links die urtümliche Heurigenstube, rechts ein schicker Verkostungsraum mit Schieferapplikationen, indirektem Licht in Grün und Magenta, es läuft dezenter Techhouse, geradeaus nach hinten: moderne Produktionsanlagen, zeitgenössische Presshausarchitektur. „Mein Vater hat noch 99 Prozent seiner Produktion im Heurigen verkauft, heute gehen gut 75 Prozent außer Haus – in insgesamt 21 Länder.“ Unter seiner Leitung hat sich auch die bewirtschaftete Fläche des Weinguts verfünffacht, aber: „Ich sehe ein Ende der Expansion nahen. Ich mache das einfach zu gerne, um auch nur kleine Arbeitsschritte zu delegieren. Mit 25 Hektar geht sich das gerade noch aus.“ Das älteste Bioweingut der Stadt, den Petershof am Bisamberg, musste er 2014 aber doch noch übernehmen: Zwei Hektar alte, seit den 80er Jahren streng biologisch bewirtschaftete Reben, umgeben von Wald, Blumenwiesen und kleinen Wasserflächen. Ein echtes Paradies. Christ: „Hier wird Weingarten noch auf dem zweiten Wort betont.“ Amen.

 

Das Weinbaugebiet:

Das jüngste DAC-Gebiet (erst seit dem Jahrgang 2013 werden in der Bundeshauptstadt herkunftstypische Weine vermarktet) ist zugleich auch das erstaunlichste: In der Millionenmetropole (nun ja: an ihren Rändern) wird tatsächlich nennenswerter Weinbau betrieben: Über 600 Hektar Rebfläche, rund 180 Winzer, spannende Vielfalt der Terroirs vom Nussberg im Norden über Pötzleinsdorf und Ottakring bis Rodaun und Mauer im Süden, dazu noch die Weingärten am Bisamberg – Wien ist so was wie ein gemischter Satz von einem Weinbaugebiet. Die gleichnamigen Weine bestehen aus mindestens drei Weißweinsorten, die im gleichen Weingarten wachsen und zusammen gelesen und verarbeitet werden.

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