Weinschlössl Steinschaden

Kamptal / Engabrunn

Über das Weingut

Stein und Zeit

Die Last der Geschichte kann schon recht schwer wiegen, aber dann muss man halt drüber stehen. Godfried und Karl Steinschaden steigen zu diesem Zweck einfach zwei Stockwerke nach oben, aus dem alten Keller ihres Engabrunner Weinschlössls, wo nicht ganz zufällig eine Baumpresse aus dem Jahr 1564 steht, hinauf in ein edel minimalistisch eingerichtetes Wohnzimmer (viel Weiß, helles Holz, Sofalandschaft, offene Küche), in dem zur Sicherheit gleich auch eine sehr zeitgenössische Downtempo-Schallplatte aufgelegt wird, bevor die beiden Mittdreißiger von Tradition und Moderne erzählen und vom Mittelweg, den man da halt beschreiten muss. Seit eineinhalb Jahren haben die Cousins von ihren Vätern die Verantwortung im Familienbetrieb übernommen und weitergemacht, was sie schon in den Jahren davor gemacht haben: Ihre eigenen Ideen durchgesetzt: „Wir haben uns immer entfalten dürfen.“ Zum Beispiel in Richtung biologischer Bewirtschaftung oder neuer Methoden im Keller (Spontanvergärung, längere Maischestandzeiten), wobei es aber nie ums Neue um des Neuen Willen ging: „Jeder Wein bekommt, was er braucht. Je nach Vegetation, Witterung und Lage kann ein anderer Weg zum Ziel führen. Dazu brauchst du natürlich Erfahrung.“ Die haben Karl und Godfried Steinschaden natürlich ein bisschen in die Wiege gelegt bekommen. Der bis 1622 rückverfolgbare Familienstammbaum dürfte aus Rebholz bestehen. Und Geschichte wird auch anno domini 2016 gemacht.

Die Steinschadens zählen mit ihren 65 Hektar Rebfläche zu den größeren Betrieben in der Region, aber auch der größte Betrieb hat seine Filetstücke, in ihrem Fall ist das die Riede Stein, von der Karl Steinschaden sehr lange schwärmen könnte: einzigartiges Terroir, Gneiss mit Lössauflage und Flussschotter, Südhang, ideale Thermik vom Manhartsberg her, bis zu 70 Jahre alte Reben, die dem kargen Boden eine schillernde Mineralik entziehen. Gerade hier im weinbaulichen Drei-Länder-Eck zwischen Kremstal, Kamptal und Wagram lässt sich ja ganz wunderbar nachvollziehen, wie unterschiedlich Terroirs sein können, die nur einen Urgesteinswurf voneinander entfernt liegen. Aber wer jeden Tag mit ein paar Treppenstufen fünf Jahrhunderte überwindet, weiß wahrscheinlich, das Raum und Zeit einigermaßen relativ sind.

Das Weinbaugebiet:

Auf insgesamt 3800 Hektar wird westlich und östlich des Kamp Wein angebaut, teilweise schon seit Jahrhunderten und durchwegs erfolgreich: Etliche Leitbetriebe des österreichischen Weinbaus arbeiten in Langenlois, Strass oder Gobelsburg Tür an Tür, kein Wunder: Das Kamptal ist klimatisch wie geologisch prädestiniert dafür. Die Einflüsse aus dem heißen pannonischen Becken im Osten und dem kühleren Waldviertel im Nordwesten ergeben Weine mit interessantem Frucht-Säure-Spiel, die Untergründe aus Löss, Schotter, Konglomeratgestein sorgen für die erwünschte Mineralik. Die Bezeichnung Kamptal DAC können Weine der Rebsorten Grüner Veltliner oder Riesling in zwei Ausbaustufen führen: entweder in der klassisch-mittelgewichtigen Form oder als kräftigere Reserve.

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